Transporter, Zerleger und die „Flaschen”-Methode, also Autodiebe in Aktion

awojcieszek
1 September 2014
Transporter, Zerleger und die „Flaschen”-Methode, also Autodiebe in Aktion

Sie benutzen Spezialwerkzeuge, sie klauen mit den „Schläfer” oder „Flaschen” Methoden, zu ihnen gehören der Hehler, der Transporter sowie der Zerleger. Die Rede ist von Autodieben, die in Polen jährlich ca. 15,5 Tausend Autos stehlen.

Die Autos werden von organisierten Verbrechergruppen geklaut. Zu ihren Mitgliedern gehören Spezialisten der einzelnen Diebstahlbranchen. Man kann unter ihnen folgende Diebe unterscheiden: solche die sich mit dem Einbrechen in die Fahrzeuge und deren Start beschäftigen, Hehler, die die Fahrzeuge mit gefälschten Dokumenten erneut legalisieren; Transporter, die Autos vom Diebstahlort auf einen ausgesuchten Parkplatz verlagern sowie Zerleger, die die Wagen in Einzelteile demontieren.

Einbruchspezialisten

Unter den Leuten die für den Einbruch ins Fahrzeug zuständig sind findet man Mechaniker, Schlösser oder Elektronikfachmänner, weil sie, dank ihres ausgeübten Berufes, leichter mit dem Öffnen von Schlössern und dem Autostarten zurechtkommen. Sie benutzen Spezialwerkzeuge, die das Öffnen der Autotür ohne das Beschädigen der Tür ermöglichen. In einer Ära von hochentwickelten Lösungen, kann ein erfahrener Dieb, der über die entsprechende Ausrüstung verfügt, problemlos eine Wegfahrsperre aufheben, einen Autoalarm, der mit der CAN-Schiene verbunden ist, abschalten und die Zündung ohne Autoschlüssel starten.

„Vielmals habe ich die Situation erlebt, dass nach der Wiederfindung der Autobesitzer nicht in der Lage war das Auto in Gang zu setzen, weil die Wegfahrsperre schon andres verschlüsselt worden war“ – sagt Mirosław Marianowski, Security Manager bei dem Unternehmen Gannet Guard Systems, einem Unternehmen, das sich mit der Lokalisierung und der Wiederfindung von gestohlenen Objekten beschäftigt.

Diebe, die nicht fein arbeiten, nutzen „Brechstangen” um das Autoschloss zu knacken. Sie nutzen auch die Unbekümmertheit der Autobesitzer, die nicht richtig den Benzintankverschluss zumachen. Es reicht ihn auszudrehen und anhand des Schlosses einen Schlüssel nachzumachen, welcher erlaubt den Wagen aufzuschließen und zu starten. Manchmal sind die Verbrecher so unverfroren, dass sie die Autos im Beisein des Besitzers stehlen. So werden Fahrzeuge mit Schlüssel im Zündschloss und einem laufendem Motor geklaut. Sie werden meistens für einen Augenblick zurückgelassen, während der Besitzer das Tor seines Geländes oder der Garage zumacht.

Verschiedene Diebstahlmethoden

Die Diebeselite nutzt die „Schläfer”-Methode. Die Diebe brechen in den Nachtstunden ein und stehlen die Autoschlüssel zusammen mit den Autodokumenten, dann verlassen sie in dem Auto das Gelände oder die Garage und das alles während die Besitzer schlafen. „Ich kann mich an einen Vorfall erinnern, wo auf diese Weise gleich zwei Premiumwagen das Anwesen verlassen haben. Der eine Wagen hatte unser GanTrack-System, er wurde schnell geortet und dem Besitzer zurückgegeben. Das zweite Auto, ohne Lokalisator, wurde nie mehr wiedergefunden” – erzählt Mirosław Marianowski.

Ein Teil der Diebe nutzt die „Zusammenstoß“- Methode. Die Diebe verursachen eine kontrollierte, ungefährliche Kollision mit dem ausgesuchten Fahrzeug, in dem Moment, in dem der Besitzer z.B. einen Parkplatz vor einem Einkaufszentrum verlassen möchte. Der aufgeregte Fahrer steigt meistens schnell aus seinem Auto raus um zu sehen was passiert ist, er vergisst den Motor abzustellen und die Schlüssel zu ziehen. Der Dieb nutzt dies aus, steigt in den Wagen und fährt davon. Ähnlich funktioniert die „Flaschen“-Methode. Die Diebe stecken in den geparkten Wagen eine Plastikflasche zwischen das Rad und die Karosserieabstützung. Der Besitzer, der nichts ahnt, fährt los und hört ein Schleifgeräusch am Rad, er steigt aus und bleibt mit der rausgezogenen Flasche in der Hand stehen, während der Dieb in seinem Auto davon fährt. Es gibt noch ähnliche Methoden, wie die z.B. mit dem „Stein” oder mit dem „Rad“. Manchmal bringen die organisierten Verbrechergruppen ihre Leute bei der Autowaschanlage, in der Werkstatt oder beim Autohändler unter. Sie bezahlen einen Mitarbeiter, der bei der Besorgung der Autoschlüssel hilft.

Diebe, die die „Schläfer”-Methode nutzen wählen zumeist Nachtstunden für Ihre Tat aus. Oft geschieht dies nach einer längeren Party, die von den Bewohnern organisiert wurde. Die „Flaschen” oder „Rad”-Methoden Liebhaber sind am Tag tätig, sie nutzen die Hektik der Morgenstunden oder die Müdigkeit nach der Arbeit aus. Diebstähle mit Einbruch werden meistens zwischen 23 und 4 Uhr begonnen. Die Fahrzeuge, die für die Zerlegung gedacht sind, werden öfter am Abend vor dem Tag des Automarktes entwendet und werden innerhalb von wenigen Stunden in erste Teile zerlegt. Die Diebe nutzen auch Feiertage. Unter anderem am 1 und 2 November „kümmern” sie sich gerne um die vor dem Friedhof und auf Parkplätzen hinterlassenen Autos.

Und nach dem Diebstahl…

Nach dem Diebstahl gelangt das Fahrzeug auf einen, von der Verbrechergruppe ausgesuchten Parkplatz (manchmal auch bewacht), in eine Garage oder eine Zerleghalle. Für die Fahrt mit dem Auto zwischen dem Diebstahlort und der ausgesuchten Lokalisierung ist ein so genannter Transporter verantwortlich. Als nächstes wird das Fahrzeug meistens für ein paar Tage stehen gelassen, für den Fall, dass in dem Auto ein fortgeschrittener Alarm mit einem Ortungssystem angeschlossen wurde. „Die Diebe wissen, dass Ortungsdienstleistungen immer beliebter werden und versuchen ein Ortungsrisiko zu vermeiden. Auch deshalb werden allgemein Störer der GPS/GSM-Signale, auf denen die meisten Überwachungssysteme aufgebaut sind, angewandt – sagt Mirosław Marianowski. Er deutet darauf hin, dass vom Blickpunkt des Autobesitzers eine viel bessere Lösung Systeme auf Basis von Radiowellen sind. Der gleichen Meinung sind auch die Spezialisten der Abteilung für Fahrzeugverbrechenbekämpfung  des Warschauer Polizeipräsidium. Diese Lösung sei für Diebe praktisch nicht zu finden und nicht zu stören, unterstreichen sie.

Das gestohlene Auto wird vom Hehler übernommen, der entsprechende Dokumente, den Weiterverkauf von Teilen oder des ganzen Wagens arrangiert. Ist das Fahrzeug zur Zerlegung bestimmt wird dieses von so genannten Zerlegern demontiert.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Kann man sich vor einem Autodiebstahl wehren? „Um das Risiko eines Diebstahls zu reduzieren würde ich vor allem den Dieben keine Gelegenheit geben” – sagt Mirosław Marianowski von Gannet Guard Systems. „Man sollte vor dem Einstieg und dem Ausstieg aus dem Auto die Augen und Ohren offen halten. In verdächtigen Situationen sollte man nicht aus dem Auto steigen, wenn ja, dann nur nach dem man den Motor abgestellt und die Schlüssel gezogen hat” – stellt Marianowski fest. Eine gute Idee sei das Auto mit einem Zündungabschallter auszustatten und diese an einem untypischen Ort anzulegen, so dass niemand außer dem Fahrer weis wo sie versteckt ist.

Geortet – wiedergefunden

Man sollte außer an Antidiebstahlsysteme auch an Lösungen, die das Auto wiederfinden lassen, denken. In diesem Fall bewahrheiten sich Überwachungssysteme. Die fortgeschrittenen unter ihnen, wie u.a. GanTrack, ermöglichen ein Fahrzeug mit der Genauigkeit von bis zu ein paar Zentimetern zu orten, dazu dank der Radiotechnologie, sind sie gegen die von Dieben angewandten Störer resistent. Manche Systeme dienen nicht nur zur Suche, sie können auch über Gefahren in Kenntnis setzen, z.B. dem Abschalten der Batterie, dem Abschleppen, einer unerlaubten Tür-, Kofferraum- oder Motorhauben-Öffnung.  Sie ermöglichen auch die Fernabschaltung der Zündung – natürlich nicht während der Fahrt, sondern nach dem Stopp und dem Motorabschalten – dank deren das Auto in einem gewählten und mit den Polizeieinheit vereinbarten Moment gestoppt wird, so dass das Fahrzeug zusammen mit den Dieben überführt werden kann.

Quelle: www.lokalizacja.info

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